Die Qual der Kanalwahl

WLAN ist eine all­ge­gen­wär­tige Tech­nolo­gie gewor­den. Über­all lassen sich Bürg­er mit DSL ver­sor­gen und verteilen dieses in den eige­nen vier Wän­den meis­tens mit WLAN. Das ist bequem und und sehr kom­pat­i­bel zu Ehe­frauen, die sich sel­ten mit quer durch die Woh­nung ver­legten Kabeln anfre­un­den können 😉

Lei­der macht so ein WLAN vor den Gren­zen der eige­nen Woh­nung nicht halt. Die Net­ze strahlen in die Nach­barschaft und aus der Nach­barschaft strahlt es fröh­lich zurück. Damit man sein WLAN trotz­dem kon­flik­t­frei betreiben kann, gibt es 13 ver­schiedene Funkkanäle. Wenn der Nach­bar dazwis­chen­funkt, wech­selt man ein­fach den Kanal und fertig.

The­o­retisch wäre die Welt damit in Ord­nung. Lei­der sieht die Prax­is so aus, dass sich die Kanäle über­lap­pen, also Kanal 5 dur­chaus Kanal 7 stören kann. Über­schnei­dungs- und kon­flik­t­frei lassen sich nur die Kanäle 1, 6 und 11 betreiben. Man muss nur mal sein Note­book an ein­er beliebi­gen Stelle in der Stadt aufk­lap­pen und find­est sofort zig ver­schiedene Net­ze, die mitunter fröh­lich auf den gle­ichen oder benach­barten Kanälen um die Band­bre­ite kämpfen… 

Es ist also nicht ein­fach heutzu­tage über­haupt einen freien Kanal zu find­en. Für den Frei­funk kommt erschw­erend hinzu, dass das Frei­funk-Netz über der gesamten Stadt den gle­ichen Kanal ver­wen­den muss, damit die Mesh-Tech­nolo­gie (“jed­er funkt mit jedem”) auch klappt. Wir ver­wen­den außer­dem sehr gute Anten­nen. Damit kann man sehr weit senden, aber auch sehr weit “hören” — also nicht nur die gewün­scht­en Frei­funk-Sig­nale son­dern auch den ganzen “Schmutz” den Wohnz­im­mer-WLANs in die Luft blasen.

Ich bin schon diverse Male mit Bernd und einem Note­book um die Häuser gezo­gen, um störende WLANs auf “unserem”, für Frei­funk Pots­dam definierten, Kanal 1 aus­find­ig zu machen. Das ist aber ein Kampf gegen Wind­mühlen. Es gibt ein­fach zu viele WLANs in der Stadt und die wenig­sten Betreiber wis­sen über­haupt etwas von WLAN Kanälen und Fre­quen­zen, geschweige denn von dem Fre­quen­zchaos, das wir mit den großen Anten­nen über den Däch­ern der Stadt einfangen.

Wir brechen aus diesem Grund ab sofort mit dem Dog­ma Frei­funk = Kanal 1 und ver­suchen uns je nach “Funkwet­ter­lage” den Kanal auszusuchen, der die wenig­sten Kon­flik­te mit der umliegen­den Nach­barschaft aufweist.
Das bedeutet für Dich als Benutzer von Frei­funk erst­mal keine Umstel­lung. Alles funk­tion­iert wie gewohnt: Note­book ein­schal­ten und lossurfen.
Das bedeutet für Dich als WLAN-Betreiber in der Nähe von Frei­funk: falls wir Dir dazwis­chen funken, weiche bitte auf einen anderen Kanal aus. Falls es Prob­leme gibt, sprich uns an, wir sind sehr an einem kon­flik­t­freien “Funkwet­ter” interessiert.

Als Kon­se­quenz habe ich heute früh die WLAN-Wolke rund um die “Olga” in der Char­lot­ten­straße von Kanal 1 auf Kanal 13 umgestellt. Es gab zum Schluss 7 (!) WLANs, die der Olga-Antenne dazwis­chen gefunkt haben. Das hat den Daten­verkehr mas­siv beein­trächtigt und viele Frei­funk-Nutzer haben unter langsamen und unzu­ver­läs­si­gen Verbindun­gen gelitten.

Nach der Umstel­lung erscheint das Netz sta­bil und zuver­läs­sig. Es gibt nur ein WLAN (“Bidart”) in der Nähe der Olga, das auf Kanal 13 funkt, aber damit kön­nen wir leben. Die Verbindun­gen sind alle “im grü­nen Bere­ich” und selb­st zur “Haupt­sendezeit” ab 20:00 Uhr kann man noch via Funk ohne Ver­luste durch die Stadt reisen.
Selb­st ein Ping über die Funkstrecke mit dem meis­ten Zwis­chen­sta­tio­nen von der Wil­helm-Staab-Straße zur Hege­lallee klappt prob­lem­los. Das wäre früher gar nicht möglich gewesen.

Auf der Karte ist die Umstel­lung nochmal visu­al­isiert. Der rosé-gefärbte Bere­ich funkt jet­zt auf Kanal 13. Das restliche Netz um die Elfle­in­straße bleibt zunächst auf Kanal 1, weil dort keine so starken Fre­quen­zkon­flik­te auftreten.

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